Was Digital Leadership versprochen hat – und was geliefert wurde
„Live ist live – auch online.“ Das war unser Credo in 2020. Damals, als wir mitten in der Pandemie saßen, unsere Webcam- und Studio-Setups optimierten und alle mit einer Mischung aus Neugier und technischer Überforderung in virtuelle Whiteboards kritzelten. Und genau deshalb haben wir mit Live Goes Online damals ein Buch geschrieben. Eines, das zeigen sollte: Online „geht“ nicht nur – Online geht richtig gut, wenn man weiß, wie.
Heute, fast fünf Jahre nach der Veröffentlichung von Live Goes Online, ist es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche unserer Thesen zur digitalen Führung haben sich bewährt? Was wurde zur neuen Normalität – und was blieb Wunschdenken?
Spoiler: Vieles gilt noch immer. Manches hat sich rasant weiterentwickelt. Und einiges hat uns selbst überrascht.
1. Damals: Unsere Thesen zu Digital Leadership
Wir waren uns sicher: Wer führen will, muss digital fit sein. Und zwar nicht nur technisch, sondern auch menschlich. Unsere Tipps reichten von der sauberen Kameraeinstellung bis zum situativen Führen im Homeoffice. Hier ein paar Klassiker:
- Vertrauen statt Kontrolle (Gruß an Reinhard Sprenger)
- Die Führungskraft als Influencer (zumindest ein bisschen)
- Feedback, Feedback, Feedback (und Feedforward)
- Kameras an! Auch im Pyjama nicht verhandelbar.
- Digitale Tools? Ja bitte. Aber nicht 17 gleichzeitig.

2. Heute: Die Bilanz
Was ist daraus geworden? Eine kurze (nicht ganz repräsentative, aber ehrliche) Einschätzung:
Was wir empfohlen haben… …und wie’s heute aussieht
- Vertrauen führt. Wird in vielen Teams gelebt. Kontrollwahn stirbt aber langsam.
- Führung braucht Zeit. 1:1-Gespräche werden ernster genommen – aber nur wenn Zeit ist.
- Digitales Auftreten zählt. Kamera, Licht, Ton: bei einigen besser. Ehrlich gesagt erleben wir aber gerade fast so etwas wie eine Kehrtwende: Es wird immer weniger auf den professionellen Auftritt vor der Kamera geachtet.
- Klare Spielregeln und Tools. Es gibt sie. Manchmal sogar doppelt und dreifach.
- Technische Kompetenz der Führungskräfte. Viele sind fitter. Andere drucken immer noch E-Mails aus (oder fragen sich, wofür die Moderator-Modi-Buttons in Teams da sind)
3. Was neu dazugekommen ist
Fünf Jahre sind im digitalen Raum eine kleine Ewigkeit. Deshalb hier ein paar Themen, die damals noch unter dem Radar flogen – heute aber definitiv auf die Playlist gehören:
- Hybrides Arbeiten ist kein Nice-to-have mehr, sondern tägliche Realität. Und oft auch tägliches Chaos.
- Psychologische Sicherheit wird wichtiger als die perfekte PowerPoint.
- Künstliche Intelligenz verändert gerade nicht nur das Arbeiten, sondern auch das Führen – und zwar schneller, als vielen lieb ist.
- Digitale Erschöpfung ist real. Führung heißt heute auch: „Pause machen erlauben“ statt „weiter so“.
4. Was heute wie damals noch immer gilt
Manches ändert sich. Manches bleibt. Und das ist gut so. Einige unserer Thesen von 2020 sind heute aktueller denn je – vielleicht, weil sie nicht „digital“ sind, sondern einfach gute Führung ausmachen. Hier ein paar Evergreens:
- Vertrauen ist die Währung guter Führung. Wer immer noch denkt, Kontrolle sei besser, hat das Homeoffice nie verstanden.
- Führung braucht Beziehung. Und Beziehung braucht Zeit. Das gilt im Teams-Raum genauso wie in der Kaffeeküche.
- Vorbild schlägt Vorgabe. Wer sich virtuell professionell und sympathisch zeigt, hat mehr Einfluss als jede Checkliste.
- Klarheit schlägt Technik. Auch mit drei Tools zu viel und 17 Slack-Kanälen brauchen Teams Orientierung, nicht Tooltipps.
- Feedback bleibt Führungsaufgabe. Und zwar regelmäßig, konstruktiv und nicht erst im Jahresgespräch.
Kurz gesagt: Gute Führung ist wie guter Kaffee – auch digital sollte sie wach machen, wärmen und gut schmecken.
5. Und jetzt?
Digital Leadership ist gekommen, um zu bleiben. Aber es verändert sich weiter – und das schneller, als man großangelegte Trainingsprogramme planen kann. Wer heute führen will, muss drei Dinge können:
- Verbindung herstellen – trotz Bildschirm.
- Orientierung geben – auch wenn alle nur noch reagieren.
- Lernen, lernen, lernen – vor allem über sich selbst.
Und wenn wir ehrlich sind: Die Zeit der reinen Webinar-Helden ist vorbei. Jetzt geht’s darum, die digitalen und die analogen Welten souverän miteinander zu verweben. Das ist keine Frage der Technik, sondern der Haltung.
Fazit
2020 haben wir gesagt: „Digital Leadership wird Standard.“ 2025 sagen wir: „Digital Leadership ist ein Handwerk – eines, das wir alle noch besser lernen können.“ Und genau dabei helfen wir euch gern. Mit Humor, Klartext – und einer stabilen Internetverbindung.


