Man erkennt die Haltung zu Lernen manchmal an kleinen Nebensätzen.
„Das ist ja kein Spaßprogramm, es soll ja was gelernt werden.“
Meist fällt dieser Satz irgendwann zwischen Kick-off, Konzeptfolie und Budgetrunde. Und fast immer ist er gut gemeint. Er soll sagen: Das Thema ist wichtig. Wir nehmen es ernst, wir wollen keine Spielerei.
Verstanden.
Nur steckt darin oft ein merkwürdiger Denkfehler: als wäre Lernen automatisch seriöser, wenn es trocken ist. Als wäre ein Training fachlicher, wenn niemand lacht. Als wäre ein eLearning professioneller, wenn es aussieht wie ein digitalisiertes Handbuch mit Weiter-Button.
Natürlich soll ein Compliance-Training nicht wie ein Kindergeburtstag wirken. Natürlich braucht ein Führungskräfteprogramm nicht alle acht Minuten Konfetti. Und natürlich wird ein neues Operating Model nicht verständlicher, nur weil man es mit drei Warm-ups, zwei Memes und einem Punkteboard dekoriert.
Aber der Umkehrschluss ist genauso falsch.
Dass Lernen wirksam sein soll, heißt nicht, dass es freudlos sein muss und dass ein Thema ernst ist, heißt nicht, dass der Weg dorthin möglichst schwer, zäh oder blutleer sein sollte.
Vielleicht ist „edupainment“ deshalb fast zu schön, um es nicht kurz ernst zu nehmen. Als Wort sieht es aus wie ein kleiner Unfall zwischen Education und Pain. Und genau so werden Lernformate manchmal gebaut: mit dem unausgesprochenen Verdacht, dass Lernen erst dann richtig wertvoll ist, wenn es ein bisschen weh tut.
Wir haben uns bewusst anders entschieden.
Nicht für „edupainment“ und nicht für bloßes „edutainment“, sondern für edutrainment. Und das hat ziemlich viel mit unserer Narrenkappe zu tun.
Spaß ist kein didaktischer Zuckerguss
Die Narrenkappe in unserem Logo ist kein Zeichen dafür, dass wir Lernen nicht ernst nehmen. Eher im Gegenteil. Sie erinnert daran, dass Lernen Aufmerksamkeit braucht, Energie, Überraschung, Reibung, manchmal auch die Freiheit, eine Sache anders zu sehen, als man sie immer gesehen hat.
Der Narr war nie nur der Lustige. Er durfte sagen, was andere nicht sagten, er durfte die Perspektive wechseln und er durfte irritieren, ohne sofort rauszufliegen. Und didaktisch ist das gar nicht so weit weg von gutem Lernen.
Denn Lernen beginnt selten dort, wo Menschen brav Informationen konsumieren. Lernen beginnt dort, wo etwas innerlich andockt und wo jemand merkt: Das betrifft mich, das ist interessant und das kann ich gebrauchen. Oder auch: Moment, so habe ich das noch nie gesehen.
In unserem Didaktik-Code nennen wir das Prinzip Emotionalisierung. Dort heißt es sinngemäß: Spaß ist kein „Kasperletheater“, sondern Spaß ist ein Signal: Das ist sicher, das ist interessant, das lohnt sich. Positive Emotionen können Aufmerksamkeit stabilisieren, Stress reduzieren, Neugier erhöhen und damit Lernfähigkeit unterstützen. Gleichzeitig bedeutet Spaß nicht, dass alles leicht sein muss, oft entsteht Spaß gerade dann, wenn Menschen eine Herausforderung meistern, sich kompetent fühlen und gemeinsam etwas schaffen.
Das ist der wichtige Unterschied: Spaß ist nicht die Dekoration auf dem Lerninhalt. Spaß ist ein Hinweis darauf, dass ein Lernsetting psychologisch und didaktisch richtig gut entwickelt wurde.
Was die Lernforschung dazu sagt
Emotionen sind beim Lernen nicht das nette Extra. Sie beeinflussen, worauf Menschen achten, wie tief sie Informationen verarbeiten und was später wieder abrufbar ist. Die Forschung beschreibt Emotionen als eng verbunden mit Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis; gleichzeitig können Emotionen Lernen unterstützen oder behindern – je nachdem, wie das Lernsetting gestaltet ist. Positive Emotionen können Denk- und Handlungsspielräume erweitern, und positive aktivierende Emotionen werden in der Lernforschung unter anderem mit Motivation, flexiblem Denken, Selbststeuerung und Leistung in Verbindung gebracht.
Das ist fachlich interessant und auch sehr praktisch, denn es bedeutet: Es reicht nicht, Inhalte korrekt zu erklären. Menschen müssen überhaupt erst in einen Zustand kommen, in dem sie aufmerksam, neugierig, handlungsbereit und sicher genug sind, etwas auszuprobieren.
- Wer sich gelangweilt fühlt, hört vielleicht höflich zu, lernt aber selten tief.
- Wer sich bloßgestellt fühlt, ist beschäftigt – aber nicht mit Lernen.
- Wer überfordert ist, kämpft mit der Situation, nicht mit dem Inhalt.
- Und wer das Gefühl hat, dass Lernen nichts mit dem eigenen Arbeitsalltag zu tun hat, sortiert es innerlich sehr schnell unter „ganz nett, aber gerade nicht mein Problem“ ein.
Positive Emotionalisierung heißt deshalb nicht: Wir machen alles lustig. Es heißt: Wir gestalten Lernformate so, dass Menschen innerlich dabei sind.
Warum „Entertainment“ allein nicht reicht
Jetzt könnte man sagen: Dann ist doch „Edutainment“ genau das Richtige. Lernen plus Unterhaltung. Klingt sympathisch, modern und deutlich besser als Pflichtschulung mit PDF-Anhang.
Ja. Aber nur halb.
Edutainment kann funktionieren, wenn Unterhaltung hilft, Aufmerksamkeit zu gewinnen und Inhalte zugänglicher zu machen. Ein gutes Video, eine starke Story, eine kluge Metapher oder ein überraschender Einstieg können enorm viel leisten. Das Problem beginnt, wenn Entertainment zum Ersatz für Lernen wird. Dann ist ein Format zwar unterhaltsam, aber die Teilnehmenden bleiben Zuschauende. Sie klicken, hören, schauen, lächeln vielleicht – aber sie tun nichts, was später im Arbeitsalltag relevant wäre. Sie entscheiden nicht, sie üben nicht und sie bekommen kein Feedback. Sie bleiben in der Konsumentenhaltung.
Das ist besser als Langeweile, aber noch nicht gut genug, denn in Unternehmen geht es fast nie darum, dass Menschen nach einem Lernformat sagen: „War unterhaltsam.“ Es geht darum, dass danach etwas anders ist als vorher. Menschen sollen anders entscheiden, klarer kommunizieren, sicherer handeln, besser priorisieren, genauer hinschauen oder souveräner mit Situationen umgehen, die im Alltag wirklich vorkommen. Weiterbildung oder Lernen ganz allgemein ist in diesem Verständnis kein Wohlfühlprogramm ohne klare Erwartung, sondern ein Wirkungsinstrument.
Genau deshalb steht bei uns zwischen Education und Entertainment noch ein drittes Element.
Training.
Das „train“ in edutrainment ist kein Zufall
Unser Name setzt sich bewusst aus Education, Training und Entertainment (= edutrainment) zusammen. Auf
Education sorgt dafür, dass Inhalte fachlich stimmen, relevant sind und gut eingeordnet werden.
Entertainment sorgt dafür, dass Lernende emotional andocken, aufmerksam bleiben und Energie entsteht.
Training sorgt dafür, dass aus Verstehen Können wird.
Das ist der entscheidende Punkt: Menschen lernen nicht Autofahren, indem sie eine sehr unterhaltsame Dokumentation über Kupplung, Schulterblick und Bremsweg ansehen. Sie lernen es, indem sie fahren. Erst langsam, dann sicherer, dann in schwierigeren Situationen. Mit Rückmeldung und natürlich mit Wiederholung und mit kleinen Fehlern, die nicht schlimm sind, aber wichtig.
Im Unternehmen ist das nicht grundsätzlich anders:
- Wer Einwände behandeln soll, muss Einwände hören und darauf reagieren.
- Wer Führungsgespräche führen soll, muss Formulierungen ausprobieren.
- Wer Entscheidungen unter Unsicherheit treffen soll, muss an realistischen Fällen entscheiden.
- Wer Compliance-Regeln anwenden soll, muss Situationen erkennen, in denen diese Regeln relevant werden.
Und genau hier wird positive Emotionalisierung interessant. Sie macht aus einer Übung kein Spielzeug, sondern macht sie zugänglicher, lebendiger und erinnerbarer.
Ein „Einwand-Battle“ kann albern sein … oder sehr professionell. Es hängt davon ab, ob Punkte für Schlagfertigkeit vergeben werden – oder für Zielklarheit, Wertschätzung, passende Begründung und eine gute Abschlussfrage. Im zweiten Fall entstehen Lachen, Ehrgeiz und Energie. Gleichzeitig werden hochwertige Gesprächsmuster trainiert.
Das ist edutrainment.
Was positive Emotionalisierung praktisch bedeutet
Positive Emotionalisierung beginnt nicht mit der Frage: „Wie machen wir das lustiger?“
Sie beginnt mit besseren Fragen:
Was sollen die Teilnehmenden nachher wirklich können? Wo erleben sie das Thema im Alltag? Welche Situation ist typisch, schwierig oder folgenreich? Wo entsteht natürliche Spannung? Wo können Menschen selbst etwas herausfinden, ausprobieren, vergleichen oder entscheiden? Und wodurch merken sie: Das hier hat mit mir zu tun?
Ein Compliance-Modul könnte mit einer Definition starten. Es könnte aber auch mit einer realistischen Nachricht beginnen: „Ein Kollege möchte Kundendaten in ein KI-Tool eingeben, um schneller eine Auswertung zu bekommen. Die Deadline ist heute 16 Uhr. Was tust du?“ Plötzlich ist das Thema nicht mehr „Regelwerk“, es ist eine Entscheidung.
Und ein Training zu Feedback könnte mit einem Modell starten. Es könnte aber auch mit einem Satz beginnen, der in einem echten Gespräch gerade gefallen ist. Die Gruppe entscheidet: Was wäre jetzt ein guter nächster Satz? Erst danach kommt das Modell, nicht als Theorieblock, sondern als Werkzeug.
In beiden Fällen geht es nicht um mehr Buntheit, sondern um mehr Anschluss.
Was positive Emotionalisierung nicht bedeutet
- Sie bedeutet nicht, dass jedes Thema spielerisch verpackt werden muss.
- Sie bedeutet nicht, dass jede Gruppe permanent lachen soll.
- Sie bedeutet nicht, dass Fachlichkeit zugunsten von Stimmung geopfert wird.
- Und sie bedeutet auch nicht, dass schwierige Inhalte weichgespült werden.
Manche Lerninhalte sind ernst. Manche Situationen sind belastend. Manche Themen brauchen Ruhe, Konzentration und eine klare Sprache. Positive Emotionalisierung heißt dann nicht, daraus etwas Lustiges zu machen, sondern: ein Lernklima zu schaffen, in dem Menschen sich sicher genug fühlen, hinzuschauen, in dem Relevanz spürbar wird, in dem Aufgaben machbar, aber nicht banal sind und in dem Fehler nicht peinlich sind, sondern Material fürs Lernen.
Das ist oft viel anspruchsvoller als ein schneller Gag. Ein Witz kann Aufmerksamkeit erzeugen, aber er trägt allein noch kein Lernziel. Eine gute Story kann ein Thema öffnen, aber sie ersetzt keine Anwendung. Ein Spielmechanismus kann Energie erzeugen, aber nur dann, wenn die Spielregel etwas sichtbar macht, das für das Lernziel wirklich wichtig ist.
Positive Emotionalisierung ist also kein Effekt, den man am Ende auf ein fertiges Konzept streut. Sie ist Teil der didaktischen Konstruktion.
Warum wir uns für edutrainment entschieden haben
- Weil Lernen wirken soll.
- Weil Fachlichkeit wichtig ist, aber Fachlichkeit allein noch kein Lernen erzeugt.
- Weil Unterhaltung hilfreich sein kann, aber Unterhaltung allein noch keinen Transfer schafft.
- Und weil Training der Punkt ist, an dem Menschen aus der Zuschauerrolle herauskommen.
Edutrainment heißt für uns deshalb nicht: Wir machen Lernen leichter, als es ist.
Es heißt: Wir machen Lernen so, dass Menschen dabei bleiben, mitdenken, ausprobieren, lachen dürfen, scheitern können, Feedback bekommen und am Ende etwas besser können als vorher.
Die Narrenkappe passt dazu ziemlich gut.
Sie erinnert uns daran, dass Lernen nicht steif sein muss, um ernsthaft zu sein. Dass ein Perspektivwechsel manchmal mehr auslöst als die nächste Folie. Dass Energie kein Widerspruch zu Qualität ist. Und dass Spaß dann am besten ist, wenn er nicht vom Lernen ablenkt, sondern mitten hineinführt.
Darum edutrainment.

